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Mehr als eine Affäre, weniger als eine Beziehung

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„Was ist das eigentlich zwischen uns?“, fragt Lena Max, nachdem sich die beiden schon seit einigen Wochen regelmäßig treffen, ausgehen und nun das erste Mal ihr Bett geteilt haben. “Wieso, was meinst du?”, antwortet er irritiert.

Die Zeiten, in denen ein Kuss oder zumindest der erste Sex es besiegelten, klarmachten, dass das hier nun eine besondere und exklusive Beziehung zwischen zwei Menschen ist, sind vorbei. Leider.

Was ist da draußen los?

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“MINGLE” – Das ist eine Wortschöpfung aus „Mixed“ und „Single“ und beschreibt einen Beziehungszustand zwischen Zusammensein, aber doch auch Single bleiben. Geprägt ist das “Mingle”-Dasein von Unverbindlichkeit; von einer Freiheit, die nicht aufgegeben werden möchte und von nicht zu viel Nähe…gepaart mit Momenten von Zweisamkeit, die sich eigentlich nicht von denen eines “normalen” Paares unterscheiden: man trifft sich, unterhält sich, man unternimmt gemeinsam etwas, geht zusammen aus und man hat Sex. Aber… man hat offiziell keine Beziehung. Schließlich folgen auf Momente der Zweisamkeit auch wieder Tage, in denen man einfach gar nichts voneinander hört und der andere seinen eigenen Plänen in vollkommener Unabhängigkeit nachgeht.

Aber während es so gemütlich dahinplätschert, kommen irgendwann diese Fragen auf: Was ist das jetzt eigentlich? Sind wir zusammen? Warum sagt der andere nichts dazu? Stellen wir einander unseren Eltern vor? Schenken wir uns etwas zum Geburtstag? Ist es dann offiziell?

„Wir haben darüber noch nicht geredet“ (man will ja keinen Druck machen) oder „Man muss nicht immer alles definieren“ (klar, aber man möchte doch wissen, mit wie vielen anderen Menschen diese Person schläft, oder etwa nicht?).

Es ist nicht so, dass man das nicht selbst kennen würde. Diese Entscheidungsunfreude. Oftmals wird aber auch gar nicht über die “Beziehung”, die ja eigentlich gar keine ist, gesprochen… Im Hintergedanken lauert bei so manchem die Angst, sich die Blöße zu geben, eventuell einfach nur zu viel in diese gemeinsamen Momente hinein interpretiert zu haben. Läuft man Gefahr, den anderen zu verschrecken und zu vertreiben? Gibt man zu viel von sich preis, wenn man nach Klarheit verlangt? Blamiert man sich wenn man eine Beziehung vermutet, wo der andere nur eine Affäre sieht? Aber wie kann er eine Affäre in etwas vermuten, was sich doch nach so viel mehr anfühlt: Man geht doch schließlich auch gemeinsam zum Billa, trifft Freunde….

Aber wozu dieses ganze Wischiwaschi? Was ist so schwer daran, zu sagen, man ist ein Paar oder eben nicht? Keine Beziehung, keine Verantwortung? Ist es das? Ist es wirklich so einfach?

Möglichkeit 1: Das Leben von Mittzwanzigern bis Mittdreißigern dreht sich um persönliche Entfaltung, Selbstentdeckung und Abenteuer. Schon klar, wissen wir, sind ja selbst in diesem Alter. Eine fixe Partnerschaft engt da möglicherweise ein. Außerdem ergeben sich durch häufige Arbeitsplatz- und Wohnortwechsel mehr Möglichkeiten, Bekanntschaften zu schließen.

Möglichkeit 2: Der Gedanke, dass es vielleicht noch einen Besseren gibt. Angeblich sind ca. 60% aller Irgendwie-vergeben-aber-dennoch-frei trotzdem auf Singlebörsen unterwegs, um sich nach etwas Besserem umzusehen. Die Angst, etwas zu verpassen, sobald man sich zu einem Menschen bekennt, mag ein Grund für die neue Unverbindlichkeit sein.

Hört sich dieses Beziehungsmodell nach Spaß an? Für Menschen, die sich nicht binden wollen, egal aus welchen Gründen, bestimmt.  Für viele der Beteiligten aber leider nicht. Die Unsicherheit darüber, ob man nun in einer Beziehung ist oder nicht, ist nicht unbedingt immer angenehm. Es gibt Menschen, die das Zusammengehörigkeits-Gefühl nicht nur schön, sondern essentiell finden und leiden, wenn sie wie gebannt auf ihr Handys schauen und sehnsüchtig auf eine Nachricht warten, die jedoch für Tage ausbleibt.

Und es bleibt dieses Gefühl. Das Gefühl, das er hat, wenn er in die Augen seiner Freundin schaut, mit der er seit Monaten nur so halb zusammen ist, dann sieht er da immer ein Gefühl, und das ist Trauer. Trauer, dass sie denkt, irgendwie nicht zu reichen. Für ihn. Ihn nicht komplett glücklich zu machen, schließlich würde er sie doch sonst der ganzen Welt präsentieren, anstatt herumzudrucksen, wenn die besten Kumpels wieder mal fragen, wer das Mädel denn nun sei.

Ich tue mir schwer mit Halbbeziehungen. Zwar passt eine Schwarz-Weiß-Ansicht schon lange nicht mehr in unsere heutige Zeit, aber es ist doch viel einfacher, wenn man entweder alleine ist oder eben zusammen. Es herrscht schon so genug Chaos, warum sich auch noch ein Liebes-Kartenhaus errichten, welches beim ersten „Ich empfinde mehr für dich, als ich dachte“-Geständnis in sich zusammenfällt?

Meine Mutter hat mich schon häufig gefragt, warum ich immer so eine Art Etikett brauche. Und ja, ich gebe zu, ich brauche ein Etikett. Wenn ich mich nach dem Kennenlernen wirklich in einen Mann verliebe, dann möchte ich auch mit ihm zusammen sein, eine Beziehung führen und zwar mit Worten ausgesprochen. “Ja, wir sind zusammen”. Ich brauch das.

Stephanie

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