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Interview mit Stil: Miss Platnum im Talk

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Miss Platnum singt jetzt auf Deutsch – mit einer großen Bandbreite – und zwar auf der neuen Platte mit dem klingenden Namen “Glück & Benzin“! 

Wir haben die sympathische, witzige und sehr authentische Ruth Maria Renner vor ihrem Konzert mit Materia zum Interview getroffen, um ihr Fragen zum Album, dem Stilbruch in ihrer Musik und zu ihrer Person zu stellen. Das neue Album bietet nämlich nicht nur eine völlig neue “Miss Platnum Sounderfahrung”, sondern präsentiert sehr eindrucksvoll die Verwandlung einer sehr begabten und authentischen Künstlerin und so viel können wir schon vorab verraten: Wir haben einige sehr interessante Antworten bekommen…

Miss Platnum empfängt uns in der Garderobe des Backstage-Bereichs in der Wiener Arena. Es ist bereits 18:15, die Arme ist schon etwas geschlaucht von den Promo- und Interview-Terminen. Das lässt sie sich aber im folgenden Gespräch nicht anmerken und wir erleben eine sehr freundliche, lustige, direkte Frau mit goldenen Sneakers, mit der wir eigentlich sehr gerne auf einen Kaffee gehen würden.

Woher kommt der Umschwung in deiner Musik – weg von der Balkan-Party-Musik hin zu einem elektronischeren, ruhigeren und emotionaleren Sound? Was waren die ausschlaggebenden Faktoren?

Miss Platnum:  Das kann man so gar nicht richtig rekonstruieren, das ist alles ein Entstehungsprozess. Es hat 3 Jahre gedauert bis wir die Platte fertig hatten und das ausschlaggebende war natürlich, dass ich eine Platte auf Deutsch machen wollte. Dadurch hat sich schon mal viel verändert. Und im Laufe der Produktion ist klar geworden bzw. hat sich herauskristallisiert, wie der Sound sein soll. Und das war jetzt nicht so, dass ich eines Tages aufgewacht bin und gewusst habe „so wird das sein oder so soll es klingen“. Und ich bin ja auch nicht alleine an das Album herangegangen – ich hab das gemeinsam mit den „Crowds“ entwickelt, die beeinflussen natürlich auch das ganze. Aber am Ende bin ich diejenige, die sagt „es ist gut geworden oder eben nicht“. Es spiegelt auch wieder was ich selber im Moment gut finde – also musikrichtungsmäßig – ich mag das sowieso wenn sich verschiedene Stile vermischen und etwas Neues ergeben und das ist bei der Platte auch passiert.

Die Umstellung auf Deutsch war ja ein sehr großer Schritt… Gemeinsam mit Peter Fox in “Marry me” waren die ersten Deutscheinflüsse zu hören und bei Materia („Lila Wolken“) hast du den Bruch weitergetragen und jetzt singst du komplett auf Deutsch – wie fühlt sich das an? 

Miss Platnum:  Bei „Lila Wolken“  war es ja ein gemeinsamer Song – also ein gemeinsames Projekt von Materia und Miss Platnum. Das war sozusagen die Ankündigung für das was kommen wird und das jetzt eben was auf Deutsch kommt.

Wie entstand der Titel „Glück & Benzin“ für das neue Album? Welche Assoziationen hast du mit dem Titel? Im Song selbst geht es ja – so wie ich das verstehe – um das loslösen von der „klassischen“ Gesellschaft und einfach darum  zu leben und etwas unbeschwerter zu sein…. 

Miss Platnum: Auch hier gab es jetzt nicht so eine Überschrift „das möchte ich jetzt machen oder das ist jetzt die Message“, das hat sich einfach im Arbeitsprozess so entwickelt, vielleicht merkt man das auch. Es sind einfach immer Geschichten, die ich erzähle und mancher Song hat einen persönlichen Bezug zu mir und ist so richtig autobiografisch und ein anderer, wie z.B. „Frau Berg“, ist eine fiktive Geschichte, in die ich mich aber hineinversetzen kann. Dieses Loslösen liegt vielleicht einfach am Wandel der Zeit, man merkt, man muss sich von manchen Idealen verabschieden. Vielleicht sogar von moralischen Vorstellungen. Ich habe das Gefühl, vieles ist jetzt im Umbruch –  irgendwie genauso wie die Veränderung der Rolle der Frau und des Mannes. Jeder kann sein Leben so leben und gestalten wie er gerne möchte, da muss man sich manchmal von Dingen verabschieden und bekommt dafür aber auch wieder etwas Neues. Dieses Gefühl steckt bestimmt auch im neuen Album, es war aber jetzt nicht das große „Loslösen-Album“. Irgendwie meinte mal jemand zu mir „Das ist ja voll das Trennungsalbum“ aber ne, das ist es nicht. Dennoch kann jeder da etwas reininterpretieren und das find ich sehr interessant und positiv.

Die Kunstfigur Miss Platnum spielte früher ja mit Vorurteilen und vielen Klischees. Im neuen Album hat man das Gefühl, dass das nicht mehr nur sarkastisch behandelst, sondern, dass du deinen Standpunkt zu gewissen Dingen loswerden willst. Wie z.B. in „99 Probleme“ die Info „Hör dir meine alten Platten an!“ in Bezug auf deinen Part in „Lila Wolken“…. Ist es tatsächlich so?

Miss Platnum: Ich bin der Meinung, in meinen alten Platten wurde schon alles gesagt. Das bezieht sich auch auf das alte Image und auf Songs wie „Give me the food“ oder „Come marry me“. Da habe ich wirklich sehr viel mit Klischees gespielt. Ich bin sowieso jemand, der gerne den Leuten den Wind aus den Segeln nimmt, was negative Kommentare oder so angeht, das hab ich auch bei „99 Probleme“ getan. Da hab ich mich sozusagen auf die andere Seite begeben und versucht, mich in jemanden anderen hinein zu versetzen  – in Menschen, die Fragen stellen wie „aha Miss Platnum singt jetzt auf deutsch… warum?“ und ein paar solche beantworte ich da auch, und sage wie es für mich aussieht. Ich möchte als wahrhaftige, freie und sich entwickelnde Künstlerin betrachtet werden und ich möchte mir auch selber die Freiheit nehmen, mich immer wieder neu zu erfinden und neu zu gestalten. Damit will ich nicht irgendjemanden vor den Kopf stoßen, sondern es ist einfach ein kreativer Prozess wenn ich mich verändere. Wenn das dann irgendjemandem nicht passt, dann tut mir das leid aber das ist dann nicht mein Problem – aber das gehört einfach zur Kunst dazu, sonst geht nichts weiter und man steht still. Ich kann ja nicht immer im gleichen Sumpf herum graben.

Unser Magazin heißt ja mitStil und daher natürlich die Frage: Was ist Stil für dich?

Miss Platnum: Stil bedeutet für mich schon auch Individualität. Ich glaube nicht, dass es etwas bringt in einer Zeitschrift nachzulesen was gerade modern ist und sich dann in etwas zu zwängen, das aber eigentlich gar nicht zu einem passt – ich finde das sieht man immer. Man muss einfach immer gucken „Was passt  zu mir, was kann ich anziehen?“, auch wenn andere sagen „das ist jetzt aber nicht modern“ – drauf geschissen…

Liest du Modemagazine?

Miss Platnum: Ja, ich blättere die schon manchmal durch, aber für mich ist immer klar, dass ich die Kombinationen, wie ich sie darin finde, nicht wirklich tragen würde.

Gib es jemanden, der dich inspiriert? Hast du ein Styling-Vorbild oder Idol?

Miss Platnum: Ich finde Karl Lagerfeld sehr inspirierend. Was er so als Modemacher auf die Beine stellt und was er so sagt – er ist einfach ein Typ mit Format und Charakter. Auch wenn er oft aneckt und man sich denkt, das ist strange was er sagt – aber ich finde man muss immer zu sich stehen. Es bringt ja nichts wenn wir alle gleich sind und alle gleich aussehen. Ich finde es dann immer schön wenn ein Mensch wie er so Sprüche raushaut und etwas neues kreiert und man dann davon überrascht wird. Man merkt, er beschäftigt sich mit vielen Dingen und dadurch bekommt er sicherlich auch Inspirationen für seine Arbeit und da geht es dann vielleicht nicht nur um Mode in seinem Leben sondern um andere Dinge.

Hast du ein Lieblingslied?

Miss Platnum: Meine Lieblingslieder wechseln immer – je nach Tag und je nach Uhrzeit – aber es gibt schon welche, die ich besonders gerne höre, z.B. „You&Me“ von Disclosure der Flume Remix… das ist einer meiner Lieblingssongs. Oder auch „Ritual Union“ von Little Dragon und solche Sachen.

Kannst du sagen was im Leben für dich wirklich wichtig ist?

Miss Platnum: Für mich ist es einfach wichtig, frei und offen zu bleiben – so im Kopf – und sich weiterzuentwickeln, viel zu reisen,  viele Eindrücke zu bekommen. Mir geht es immer dann nicht so gut wenn ich merke, ich eiere in meinem eigenen Sumpf herum. Dann wird auf einmal der Kosmos so klein und die Probleme so riesig. Einfach rausgehen und mit Leuten unterwegs sein, sich austauschen oder einfach auch andere Eindrücke bekommen – das finde ich sehr gesund und inspirierend.  Und ich hoffe, dass ich mir dieses „Horizont-Erweitern“ mein ganzes Leben lang beibehalte. Dass man dann nicht so vor den Kopf gestoßen wird, wenn etwas neues passiert  – ich find das ganz wichtig.

Bist du das erste Mal in Österreich oder warst du schon mal hier?

Miss Platnum: Ja, ich war schon mal in Wien. Ich war mit Peter Fox hier, damals bei der Marsimoto Show hier in der Arena.

Magst du Wien – gefällt dir Wien? Wie findest du die Wiener?

Miss Platnum: Ja mir gefällt Wien sehr gut und die Wiener finde ich super! Ich liebe vor allem den Wiener „Schmäh“.

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Ruth Renner hat sich in diesem Album also losgelöst von der Kunstfigur Miss Platnum und ihr somit zu einer neuen Freiheit verholfen. Als Künstlerin hat sie nun mit „Glück und Benzin“ zu sich selbst gefunden und alles umgesetzt, was sie in ihrer langjährigen Musikkarriere gelernt hat. Das Album strotzt daher vor gesundem Selbstbewusstsein und das zu Recht.  Wer braucht Sicherheit, wenn man in Straßenklamotten immer noch cooler aussieht, als andere in der Nobelkarosse? Oder anders gesagt: „Der Mercedes verkauft, hab ihn nie gebraucht, zieh die alten Nikes an, seh auch damit sehr gut aus“. Genau!

Daher lasst Euch dieses tolle neue Album auf keinen Fall entgehen… zum direkten Download geht es übrigens gleich HIER! Nehmt Euch fürs Anhören auf alle Fälle ein paar ruhige Minuten – denn man findet im Text (vor allem beim genauen hinhören!) unheimlich viel Wahres und Dinge die einem zum Grübeln animieren.. wir finden es auf jeden Fall sensationell und wünschen auf diesem Wege viel Glück mit “Glück & Benzin”!

PS: Wer Miss Platnum und ihren Elan live sehen möchte, ist, als in Deutschland Wohnhafter, klar im Vorteil – den Link mit den aktuellen Tourdaten findet ihr HIER!

Bilder Credit 1. Bild: Cheesecake

Stephanie

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