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You only live once

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Ich hasse yolo. Ab dem ersten Tag, an dem ich das im Internet auf irgendeinem Foto mit kreischenden Jugendlichen im Partywahn gesichtet hab. You only live once. Wer sagt das?

Im Prinzip ist es ja wurscht, ob ich daran glaube, dass nach meinem Tod nur Dunkelheit und einfach Nichts kommt. Oder mit anderen putzigen Engelchen durch die Luft schwebe. Oder dem Teufel guten Tag sagen werde.
Oder, ob ich einfach glaube, dass es danach weiter geht. Niemand kann belegen, dass die Geburt der Anfang und der Tod das Ende jedes Einzelnen ist. Natürlich kann man daran glauben. Aber yolo, das löst bei mir nichts anderes als Druck und Nervosität aus.

Yolo – geh bitte, oida.

Ich verstehe den Grundgedanken und den finde ich super. Der ist der gleiche wie bei Carpe Diem – Nütze den Tag. Oder wie beim guten alten Goethe, der da sagte: „Das Leben ist kurz, der Tag ist lang. Es schaut der Geist nicht vorwärts, nicht zurück. Die Gegenwart allein ist unser Glück.“ Wer solche Sätze hört, denkt im Stillen, er müsse endlich auch mal wieder seinen Arsch hochbekommen und etwas Sinnvolles aus seinem Leben machen. Denn ja, irgendwann sind wir wirklich alt und sollten doch unseren Enkelkindern etwas Besseres erzählen können, als die Tatsache, dass wir noch mit Festnetztelefonen telefoniert haben. Damals.

Und ja, ich mag Leute, die einfach machen. Die beispielsweise eine wirkliche Schnappsidee haben, darüber schlafen und sich dann am nächsten Morgen – verkatert – an den Küchentisch setzen und das Ganze umsetzen. Menschen, die nicht nur lallen, sondern handeln. Und das meint yolo in seiner ursprünglichen Form, denn es ist eine Aufforderung, eine Chance zu nutzen und sein Leben zu genießen.

Was ich allerdings so verkehrt finde ist, wenn Menschen in eine richtige Torschlusspanik geraten, sich und ihrem Leben gerecht zu werden und zwar nur, weil es immer irgendwelche yolo-Idioten geben wird, die der Gesellschaft ins Ohr flüstern, dass man vor 30 mindestens einmal Backpacken in Thailand gemacht haben sollte, dass es uncool ist, immer alle Prüfungen zu bestehen und dass man sowieso raus ist, wenn man noch nie einen One-Night-Stand hatte, und zwar am Strand. Denn solche Leute gibt es, die denen, die gerade noch auf der Suche nach Meinungsfindung sind, einflößen, dass ein richtiges und ausgefülltes Leben nach bestimmten Maßstäben gelebt werden muss.

Dabei finde ich es persönlich viel spannender, wenn jemand die Eier hat, sein Leben absolut individuell zu gestalten. Das fängt dabei an, dass ich in der Disco mein Cola light trinke und kein Wodka Red Bull, und hört dort auf, wo ich selbst entscheide, ob mich etwas glücklich macht – unabhängig davon, wie viele aufgerissenen Augen mich anstarren und fragen, ob das mein Ernst sei. 

Es ist die Hast und die Getriebenheit, die mittlerweile hinter dem wunderbaren Gedanken, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, steckt. Und ich sehe in den Augen und im Verhalten so vieler Menschen, dass sie sich dieser nicht entziehen können. Sie hetzen bis in die Morgenstunden durch die Nächte, weil sie Angst davor haben, irgendetwas zu versäumen. Und sie arbeiten sich zu Tode, weil sie denken, das Geld würde sie retten und ihren übertriebenen Luxusanspruch sättigen.

Und ich mag die Leute nicht, die ihre falsch verstandene yolo-Attittüde für alles hernehmen, um sich für ihre beschissene Art und Weise rechtfertigen zu können. Ich lebe nur einmal, ich darf das machen. Ich muss mich so verhalten. Dieser Moment wird nie wieder kommen.

Es ist verdammt nochmal nicht so einfach, sich selbst der beste Freund zu sein. Aber es ist der wichtigste Schritt im Leben, denn nur mit dir selbst musst du es dein Leben lang aushalten.

Egal ob ein Leben oder zwei oder tausend – wir müssen aufhören, uns diesen verdammten Druck zu machen. Denn wie sagen wir Wiener immer so schön: Passt schon!

Wenn es also jemand schafft, aus vollem Herzen heraus in diesem Leben, in diesem Jahr 2014 von dem yolo-Gedanken einen Schritt zurückzutreten und erkennt, dass er nicht alles schaffen muss, was er sich vornimmt, dass manche Träume Endstation Sehnsucht bedeuten und dass es mutiger ist, zu weinen, als die Tränen herunterzuschlucken, dann ziehe ich vor demjenigen meinen Hut. Und scheiß gemeinsam mit ihm auf yolo, weil er verstanden hat, dass es immer irgendwie weiter geht und dass man nicht alles tun muss, was die anderen tun.

P.S.: Ich hatte noch nie einen One-Night-Stand am Strand. Hattet ihr euch wohl schon gedacht, hm…!? Und das, obwohl ich schon 33 bin, aber ganz ehrlich: ich stell mir das gar nicht so leiwand vor..

Beitragsbild via oystermag.com

Stephanie

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